Definition
Elterntraining ist ein strukturiertes Programm zur Stärkung elterlicher Erziehungskompetenzen. Es vermittelt Eltern konkrete Strategien für den Erziehungsalltag, fördert eine positive Eltern-Kind-Beziehung und hilft, problematische Verhaltensmuster zu verändern. Bekannte Programme sind Triple P, STEP, Starke Eltern – Starke Kinder und das Eltern-AG-Programm.
Rechtliche Grundlage
Rechtlich kann Elterntraining als Bestandteil von Hilfen zur Erziehung (§27 ff. SGB VIII), als Angebot der Familienbildung (§16 SGB VIII) oder im Rahmen von Frühen Hilfen erbracht werden. Die Kosten werden je nach Kontext vom Jugendamt, von Krankenkassen oder von den Teilnehmenden selbst getragen.
Bedeutung in der Praxis
In der Praxis werden Elterntrainings sowohl präventiv (für alle Eltern, die ihre Erziehungskompetenz stärken möchten) als auch interventiv (bei bestehenden Erziehungsproblemen oder im Kontext von Hilfen zur Erziehung) eingesetzt. Die Programme umfassen typischerweise 8 bis 12 Sitzungen in Gruppenform und arbeiten mit Rollenspielen, Videofeedback und Hausaufgaben.
Herausforderungen
Herausfordernd ist die Erreichung der Eltern, die Unterstützung am meisten benötigen – gerade sozial benachteiligte Familien nehmen freiwillige Angebote seltener wahr.
Digitale Unterstützung
Digitale Systeme unterstützen die Teilnehmerverwaltung, die Dokumentation der Trainingsinhalte und die Evaluation der Programmergebnisse.
Relevante barnuva-Funktionen
Verwandte Begriffe
Elternkompetenz
AllgemeinElternkompetenz bezeichnet die Fähigkeit der Eltern, die physischen und psychischen Grundbedürfnisse ihres Kindes zu erfüllen, eine dem Kindeswohl entsprechende Erziehung zu gewährleisten und das Kind in seiner Entwicklung angemessen zu fördern. Die Einschätzung der Elternkompetenz ist eine zentrale Aufgabe in der Jugendhilfe. Rechtlich ist die Frage der Elternkompetenz eng mit §1666 BGB (Gerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls) und §27 SGB VIII (Hilfe zur Erziehung) verbunden. Ein erzieherischer Bedarf liegt vor, wenn die Elternkompetenz nicht ausreicht, eine dem Kindeswohl entsprechende Erziehung sicherzustellen. In der Praxis wird Elternkompetenz anhand verschiedener Kriterien eingeschätzt: Fähigkeit zur Grundversorgung, emotionale Verfügbarkeit, Grenzsetzung, Förderung, Schutz vor Gefahren und Kooperationsfähigkeit mit Helfersystemen. Instrumente wie der Stuttgarter Kinderschutzbogen oder strukturierte Beobachtungsverfahren unterstützen die Einschätzung. Die Stärkung der Elternkompetenz ist das primäre Ziel vieler Jugendhilfemaßnahmen. Herausfordernd ist die Objektivierung der Einschätzung: Elternkompetenz ist kein statischer Zustand, sondern situativ und veränderbar. Kulturelle Unterschiede in Erziehungsvorstellungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Fachsoftware unterstützt die strukturierte Dokumentation von Beobachtungen zur Elternkompetenz und deren Entwicklung im Hilfeverlauf.
Elternarbeit
MethodeElternarbeit bezeichnet die systematische Zusammenarbeit mit den Eltern oder Sorgeberechtigten im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Hilfe zur Erziehung und zielt darauf ab, die Erziehungskompetenz der Eltern zu stärken, Konflikte zu bearbeiten und das Familiensystem zu stabilisieren. Rechtlich ist Elternarbeit in §37 SGB VIII verankert, der die Zusammenarbeit bei Hilfen außerhalb der eigenen Familie regelt. Auch §36 SGB VIII (Hilfeplanung) sieht die aktive Einbeziehung der Personensorgeberechtigten vor. Das KJSG hat die Beteiligungsrechte der Eltern zusätzlich gestärkt. In der Praxis der stationären Jugendhilfe umfasst Elternarbeit regelmäßige Elterngespräche, telefonische und schriftliche Kontakte, Familienbesuche, die Begleitung von Beurlaubungen und die Teilnahme an Hilfeplangesprächen. In ambulanten Hilfen ist die Elternarbeit das Kernstück der Intervention. Die Intensität richtet sich nach dem individuellen Hilfeplan. Herausfordernd ist Elternarbeit besonders bei hochstrittigen Familien, bei Eltern mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen sowie in Kinderschutzfällen, in denen die Eltern Teil des Gefährdungskontextes sind. Digitale Dokumentation ermöglicht es, alle Elternkontakte systematisch zu erfassen, den Verlauf der Elternarbeit im Hilfebericht abzubilden und für Hilfeplangespräche aufzubereiten.
Triple P
MethodeTriple P (Positive Parenting Program) ist ein evidenzbasiertes Elterntraining, das an der Universität Queensland (Australien) entwickelt wurde. Es vermittelt Eltern Strategien für eine positive Erziehung und die Vorbeugung von Verhaltens- und Entwicklungsproblemen bei Kindern. Rechtlich wird Triple P in der Jugendhilfe als Methode im Rahmen von Familienbildung (§16 SGB VIII), Erziehungsberatung (§28 SGB VIII) und als Bestandteil von Hilfen zur Erziehung (§27 ff. SGB VIII) eingesetzt. Die Kosten werden je nach Kontext vom Jugendamt, von Krankenkassen oder als Selbstzahlerleistung getragen. In der Praxis arbeitet Triple P auf fünf Stufen: von allgemeiner Information über Kurzberatung, Einzelberatung und Gruppentraining bis zu intensiver Familienintervention. Das Programm ist manualisiert und durch zahlreiche internationale Studien evaluiert. Trainer benötigen eine spezifische Triple-P-Akkreditierung. Die Inhalte umfassen Beziehungsaufbau, erwünschtes Verhalten fördern, neue Verhaltensweisen vermitteln, mit problematischem Verhalten umgehen und riskante Situationen meistern. Herausfordernd ist die Erreichung von Familien in besonders belasteten Lebenslagen, die von standardisierten Programmen weniger profitieren. Fachsoftware unterstützt die Teilnehmerverwaltung und Programmevaluation.
Familienbildung
HilfeformFamilienbildung umfasst präventive Angebote zur Stärkung der Erziehungskompetenz und der familiären Beziehungen gemäß §16 SGB VIII. Familienbildung richtet sich grundsätzlich an alle Familien und ist ein niedrigschwelliges Angebot der Jugendhilfe, das keinen festgestellten Hilfebedarf voraussetzt. Rechtlich ist Familienbildung in §16 Abs. 1 und 2 SGB VIII verankert: Zur allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie sollen Angebote der Familienbildung bereitgestellt werden. Dazu gehören Angebote der Eltern- und Familienbildung, Beratung in allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung sowie Angebote der Familienerholung. In der Praxis werden Familienbildungsangebote von Familienbildungsstätten, Familienzentren, Volkshochschulen und freien Trägern durchgeführt. Das Spektrum reicht von Geburtsvorbereitungskursen über Eltern-Kind-Gruppen, Erziehungskurse (Triple P, STEP) bis hin zu Familienfreizeiten und interkulturellen Begegnungsangeboten. Herausfordernd ist die Erreichung sozial benachteiligter Familien, die von präventiven Angeboten besonders profitieren würden, aber institutionelle Hürden als Zugangsbarriere erleben. Digitale Anmeldesysteme und Teilnehmerverwaltung erleichtern die Organisation von Familienbildungsangeboten und die Auswertung der Inanspruchnahme.