Kalkulation · SGB VIII · mit Rechner
Was Ihre Hilfe der öffentlichen Hand an Folgekosten erspart
Der Rechner stellt die Kosten Ihrer Hilfen den Folgekosten gegenüber, die entstehen, wenn ein Kind ohne Unterstützung in einen ungünstigen Lebensverlauf gerät. Grundlage sind die Lebenslauf-Szenarien des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen und die Deutsche Traumafolgekostenstudie, auf Preise von 2025 hochgerechnet. Die Beispielwerte sind vorausgefüllt – ersetzen Sie sie durch Ihre eigenen Entgelte und Fallzahlen.

Warum wir überhaupt rechnen
Der wirtschaftliche Blick ist hier das zweite Argument, nicht das erste. Ob ein Kind Hilfe bekommt, entscheidet kein Rechner. Das entscheidet der Rechtsanspruch: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ (§ 1 Abs. 1 SGB VIII). Ist eine dem Kindeswohl entsprechende Erziehung nicht gewährleistet, besteht ein einklagbarer Anspruch auf Hilfe zur Erziehung (§ 27 Abs. 1 SGB VIII) – unabhängig davon, ob sich die Hilfe jemals „rechnet“.
Fachlich zählt der einzelne Mensch: eine Biografie, die eine andere Richtung nimmt, ein Jugendlicher, der zum ersten Mal Verlässlichkeit erlebt, eine Familie, die wieder handlungsfähig wird. Das lässt sich nicht in Euro ausdrücken, und es muss es auch nicht.
Entschieden wird über Hilfen aber oft dort, wo Haushaltslogik die Sprache vorgibt – in Entgeltverhandlungen, im Jugendhilfeausschuss, in der Kämmerei. Dafür ist dieser Rechner gedacht: Er übersetzt den fachlichen Auftrag in die Sprache, die am Verhandlungstisch gehört wird, und zeigt, dass gute Hilfe der öffentlichen Hand am Ende mehr erspart, als sie kostet. Das Argument steht neben dem pädagogischen – es ersetzt es nicht.
Keine Rechtsberatung. Die Verweise auf das SGB VIII dienen der Einordnung und geben den Gesetzesstand wieder, ersetzen aber keine rechtliche oder betriebswirtschaftliche Beratung im Einzelfall. Für verbindliche Auskünfte – etwa zu Ansprüchen, Vereinbarungen oder Entgeltverfahren – wenden Sie sich an Ihren Verband, eine spezialisierte Kanzlei oder Ihre Wirtschaftsprüfung.
Vorher und nachher. Die Kostenseite dieser Rechnung entsteht in der Entgeltkalkulation – dort wird aus Personal-, Sach- und Overheadkosten der Tagessatz, den Sie hier oben eintragen. Ob Ihre Hilfe wirkt, ist eine Frage der Wirksamkeit und ihres Nachweises – die Wirkungsquote im Rechner ist genau diese Annahme in Zahlen.
Wichtig: Diese Zahlen taugen nicht dazu, Kinder nach Wirtschaftlichkeit zu sortieren. Eine Hilfe wird nicht wertvoller, weil sie sich rechnet, und nicht verzichtbar, weil sie teuer ist. Wer den Rechner so verwendet, kehrt seinen Zweck um.
Folgekosten-Rechner
Stand: 09/2026Ergebnis sichern
Zusammenfassung für Entgeltverhandlung oder Ausschuss
Wir schicken Ihnen Ihr Ergebnis per E-Mail: alle Eckwerte im Überblick und ein Link, der den Rechner mit genau diesen Werten öffnet – von dort speichern Sie ihn mit einem Klick als PDF oder geben ihn an Kolleg:innen weiter, die die Zahlen selbst nachrechnen können.
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Datenlage
Worauf die Zahlen beruhen – und wie belastbar sie sind
Für Deutschland gibt es drei Studien, die Folgekosten beziffern. Alle arbeiten mit Modellrechnungen, keine misst die Wirkung einer Hilfe im Kontrollgruppenvergleich. Der Rechner nutzt sie deshalb für die Höhe der Folgekosten und überlässt die Wirkungsquote Ihnen.
Kosten und Nutzen Früher Hilfen
mittelMeier-Gräwe & Wagenknecht, NZFH 2011. Lebenslauf-Szenarien bei Kindeswohlgefährdung bis Alter 67, Kostenbasis aus dem Modellprojekt in Ludwigshafen.
- Prävention 0–3 Jahre: 7.274 € je Risikofall, bei über 60 % unter 1.000 €
- Folgekosten je Fall: 424.000–442.000 € (moderat), 1,08–1,24 Mio. € (pessimistisch)
- Verhältnis 1:13 bzw. 1:34 im Lebenslaufvergleich, 1:60 bzw. 1:159 nur gegen die Präventionskosten
Im Rechner: Höhe der Folgekosten (über Habetha annualisiert) und Richtwert für Frühe Hilfen. Grenzen: kleine Fallzahl an einem Standort, keine Abzinsung, unterstellt vollständige Wirkung.
Deutsche Traumafolgekostenstudie
mittelHabetha, Bleich, Weidenhammer, Fegert 2012. Hochrechnung auf Deutschland mit den Szenarien der NZFH-Studie.
- 11,1–29,8 Mrd. € Folgekosten von Kindesmisshandlung pro Jahr
- Je betroffener Person 6.708 € (moderat) bzw. 18.087 € (pessimistisch) pro Jahr über 50 Erwerbsjahre, Preisbasis 2008
- Produktivitätsverluste machen über 70 % (moderat) bzw. über 50 % (pessimistisch) aus
Im Rechner: die Jahreswerte als Grundlage, hochgerechnet mit dem Verbraucherpreisindex (86,9 → 121,9, Faktor 1,40). „Nur direkte Kosten“ setzt höchstens 30 % bzw. 50 % davon an.
Wirkungsforschung: Wie oft wirken erzieherische Hilfen?
hochInstitut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ), Macsenaere u. a., auf Basis von JULE, JES und EVAS – die breiteste deutsche Datengrundlage zur Wirkung von Hilfen zur Erziehung.
Die Spannweiten stammen aus unterschiedlichen Studien und addieren sich deshalb nicht auf 100 %.
Im Rechner: Grundlage für die voreingestellte Wirkungsquote. Kein Gleichsetzen – „positiver Verlauf“ meint eine messbar günstige Entwicklung während der Hilfe, nicht zwingend einen über Jahrzehnte abgewendeten Lebensverlauf. Die Voreinstellung von 33 % setzt darum nur rund die Hälfte der gelingenden Hilfen an.
Kosten-Nutzen-Analyse Heimerziehung
älter, nur § 34Klaus Roos 2005, Daten aus JULE, JES und einer Katamnese. Vergleich mit einer gedachten Nicht-Intervention.
- Kosten je Heimerziehung damals 103.000–163.000 €
- Nutzen je Euro brutto 2,0–4,4 €. Die oft zitierten „1:1,0 bis 1:3,4“ sind der Nettonutzen nach Abzug der Kosten.
- 75–87 % des Nutzens sind höhere Erwerbseinkommen. Eingesparte Transfers, Gesundheits- und Kriminalitätskosten allein decken die Kosten meist nicht.
Im Rechner: nicht direkt verwendet, dient als Plausibilitätsanker für Heimerziehung: Liegt Ihr Ergebnis für § 34 deutlich über 4 €, sind die Annahmen eher optimistisch – liegt es unter 2 €, rechnen Sie vorsichtiger als die Studie.
Aktuelle Kostensätze
hoch- Arbeitslosigkeit im SGB II: ca. 27.000 € je Person und Jahr, 61 % Leistungen, 39 % entgangene Steuern und Beiträge (IAB 2024)
- Haftplatz: rund 200 € pro Tag, Spanne 151–276 € je Land (2022/2023)
- Dauer beendeter Hilfen 2023: § 34 21,2 Monate, § 33 49,8, § 31 17,6, § 30 12,6 (akjstat)
Im Rechner: Modus „Eigene Posten“ und Dauer-Voreinstellungen. Die Jahreskosten der Hilfearten sind bewusst über den Durchschnittswerten der Statistik angesetzt, damit die Kostenseite nicht geschönt ist.
Was die Zahlen nicht aussagen
- Der wirtschaftliche Nutzen ist kein Maßstab für den Anspruch auf Hilfe. Er ist ein Zusatzargument gegenüber Kostenträgern, keine Bedingung für Unterstützung.
- Die Studien messen keine kausale Wirkung. Sie beziffern, was ein ungünstiger Verlauf kostet. Wie oft Ihre Hilfe ihn verhindert, bleibt eine Annahme – deshalb der Regler.
- Vermiedene Folgekosten sind nicht gleich Haushaltsersparnis. Der größte Teil sind entgangene Erwerbseinkommen und Wertschöpfung. Für die reine Kassensicht „Nur direkte Kosten“ wählen.
- Die Preisbasis liegt bei 2008 bis 2011. Die Hochrechnung über den Verbraucherpreisindex ist eher vorsichtig, weil Personal- und Sozialkosten schneller gestiegen sind.
- Die Folgekosten fallen über Jahrzehnte an und landen bei anderen Kostenträgern (Jobcenter, Krankenkassen, Justiz), selten beim Jugendamt selbst.
- Für ambulante Hilfen (§§ 30, 31) gibt es keine eigene Kosten-Nutzen-Studie. Der Rechner überträgt die Folgekosten-Szenarien, die Wirkungsquote sollte hier entsprechend vorsichtig gewählt werden.
Quellen
- Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) / Macsenaere, M. u. a.: Wirkungsforschung in den Hilfen zur Erziehung, Auswertungen aus JULE, JES und EVAS. Zusammengefasst u. a. in: Freie Wohlfahrtspflege NRW (2025): Fachpapier „Wirkung in den Hilfen zur Erziehung“.
- Meier-Gräwe, U. & Wagenknecht, I. (2011): Kosten und Nutzen Früher Hilfen. NZFH, Materialien zu Frühen Hilfen 4. Ergänzend: NZFH-Vortrag, PM Uni Gießen
- Habetha, S. et al. (2012): Deutsche Traumafolgekostenstudie; Fachartikel: A prevalence-based approach to societal costs … (CAPMH 6:35)
- Roos, K. (2005): Kosten-Nutzen-Analyse von Jugendhilfemaßnahmen. Peter Lang; Foliensatz DJI
- Jud, A. & Lange, M. (2023): Machbarkeitsstudie zu einer Folgekostenstudie. UBSKM
- IAB-Forum (2025): Auch 2024 steigen die Kosten der Arbeitslosigkeit deutlich
- akjstat, HzE-Monitor: Steckbriefe der Hilfearten (Stand 2023)
- Haftkosten: WirtschaftsWoche (NRW 2023), Weser-Kurier (Länder 2022)
- Destatis, Verbraucherpreisindex 2020 = 100: 2008 = 86,9; 2010 = 88,1; 2025 = 121,9
Weiterlesen
Der Rechner ist ein Argument in einem längeren Verfahren. Diese Seiten schließen daran an:
- Entgeltkalkulation in der Jugendhilfe Woher der Tagessatz kommt, den Sie oben eintragen: Personal-, Sach- und Overheadkosten, Belegungsquote, Wagnis- und Gewinnzuschlag.
- Entgeltverhandlung führen Wie Sie das Ergebnis am Verhandlungstisch einsetzen – Vorbereitung, Fristen, Argumentation nach §§ 78b ff. SGB VIII und der Umgang mit dem Einwand „kein Geld im Haushalt“.
- Hilfen zur Erziehung: der Überblick Fallzahlen, Ausgaben und Dauer aller neun Hilfearten – die Größenordnungen, in die sich Ihr Ergebnis einordnet.
- Leistungsträger und Leistungserbringer Wem das Argument aus diesem Rechner eigentlich vorgetragen wird – und warum das Jugendamt nicht einfach „der Kostenträger“ ist.
- Heimerziehung (§ 34 SGB VIII) Warum die Wirkungsquote bei § 34 vorsichtiger angesetzt ist als bei Vollzeitpflege oder ambulanten Hilfen.
- Frühe Hilfen Das Feld mit dem größten Hebel in dieser Rechnung – und die Studie, aus der die Folgekosten-Szenarien stammen.
- Wirkungsorientierung Wie Wirkung in der Jugendhilfe überhaupt erhoben wird: EVAS, Outcomes-Star, Wirkungsdialog.
- Kalkulation in barnuva Entgelte, Belegung und Fallzahlen aus der laufenden Dokumentation statt aus der Tabelle daneben.
- Controlling und Auswertungen Belegungsgrad, Hilfeverläufe und Kennzahlen, mit denen sich die Annahmen dieses Rechners gegen die eigenen Daten prüfen lassen.
Stand: September 2026 · Modellrechnung, keine Prognose für den Einzelfall · keine Rechts- oder Steuerberatung · Textbausteine sind Formulierungsvorschläge
Häufige Fragen zum Folgekosten-Rechner
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